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Zufallsfund von Metallteil sorgt für Aufsehen

Archäologische Sensation: Sutton-Hoo-Helm könnte aus Dänemark stammen

Ein unscheinbarer Fund auf der dänischen Insel Tåsinge sorgt derzeit für Aufsehen unter Archäologen: Ein winziger Metallstempel, entdeckt von einem Hobby-Sondengänger, könnte die Herkunft des berühmten Helms von Sutton Hoo neu schreiben – und damit auch das Machtgefüge Nordeuropas im Frühmittelalter. War Dänemark schon damals ein regionales Machtzentrum?


Bilder 1 bis 5: Dänisches Nationalmuseum

Der Sutton-Hoo-Helm, oft als „britischer Tutanchamun“ bezeichnet, gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Funde Großbritanniens. Lange ging man davon aus, dass sein Design auf Vorbilder aus Schweden zurückgeht. Neue Untersuchungen deuten nun aber darauf hin, dass der Helm um das Jahr 600 n. Chr. im heutigen Dänemark gefertigt worden sein könnte – genauer gesagt im südfünischen Archipel.

Der entscheidende Hinweis: ein sogenannter „Patrice“ – ein Metallstempel, mit dem Motive in dünnes Blech geprägt werden. Das auf Tåsinge entdeckte Exemplar zeigt das Bild eines berittenen Kriegers, das in frappierender Ähnlichkeit auf dem Sutton-Hoo-Helm zu finden ist.

Besonders auffällig: Details wie die Manschette am Handgelenk, der mandelförmige Zaumzeugbeschlag, das hervorlugende Schwert – all das passt deutlich besser zum britischen Fund als zu den bislang als Vorbild geltenden schwedischen Motiven.

„Es wäre eine archäologische Sensation“

„Es wäre eine archäologische Sensation, wenn dieser Helm tatsächlich in Tåsinge gefertigt wurde“, sagt Peter Pentz, Kurator am Dänischen Nationalmuseum. Für Dänemark hätte das historische Sprengkraft: Es würde nahelegen, dass das Königreich bereits im 7. Jahrhundert eine deutlich zentralere Rolle in Nordeuropa spielte als bislang angenommen.

Und die Beweislage verdichtet sich: Auch ein weiteres, bisher nur fragmentarisch erhaltenes Motiv auf dem Sutton-Hoo-Helm zeigt auffällige Parallelen zur Tåsinge-Patrice – bis hin zu exakt übereinstimmenden Linienführungen.

Motiv ähnelt dem des Helmes von Sutton Hoo
Das Motiv der „Patrice“, die auf Tåsinge, Dänemark, gefunden wurde, ähnelt dem Motiv auf dem Sutton-Hoo-Helm. (Illustration: Mads Lou Bendtsen, Dänisches Nationalmuseum)

Das deutet nicht nur auf regionale Nähe, sondern möglicherweise sogar auf dieselbe Werkstatt hin. Ein geplanter 3D-Scan des Helms und des Fundes aus Tåsinge soll nun klären, wie exakt die Übereinstimmungen tatsächlich sind.

War Dänemark eine regionale Supermacht?

Bisher gab es im Gegensatz zu England und Schweden keine vergleichbar prunkvollen Grabstätten. Ein Irrtum, wie Pentz bei der BBC vermutet: „Vielleicht war Dänemark damals schon weit mächtiger und geeinter, als wir bisher dachten.“

Die entscheidende Frage bleibt: Handelt es sich bei dem kleinen Stempel um ein Relikt eines florierenden dänischen Machtzentrums – oder lediglich um ein weit gereistes Werkzeug?

Die Antwort könnte die Geschichte Nordeuropas neu schreiben. Der Fund wird ab dem 1. April im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt.

Hintergrund: Sutton Hoo ist eine bedeutende archäologische Fundstätte in England. 1939 entdeckte man dort ein angelsächsisches Schiffsgrab aus dem 7. Jahrhundert. Im Grab fand man reich verzierte Waffen, Schmuck und einen berühmten Helm – Hinweise auf eine hochentwickelte Kultur.

Wahrscheinlich gehörte das Grab einem König, eventuell Rædwald von East Anglia. Die Funde lieferten wertvolle Einblicke in das frühe mittelalterliche England und veränderten das Bild der sogenannten „dunklen Jahrhunderte“.

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