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Die Zeit tickt

Astronomen entdecken kosmische Zeitbombe vor unserer Haustür

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der University of Warwick in England hat ein außergewöhnliches Doppelsternsystem entdeckt – nur rund 150 Lichtjahre von der Erde entfernt. Es besteht aus zwei Weißen Zwergen, die auf einem gegenseitigen Kollisionskurs sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit als Supernova vom Typ 1a explodieren werden. Es ist das erste bekannte System dieser Art.

Doppelsternsystem
Auf diesem Bild sieht man den Moment, in dem der erste Weiße Zwerg gerade explodiert ist und Material auf seinen nahen Begleiter schleudert, der ebenfalls kurz vor der Explosion steht. Dieses Ereignis wird in etwa 23 Milliarden Jahren eintreten, doch in nur 4 Sekunden explodieren beide Sterne. (Bildnachweis: University of Warwick/ Mark Garlick)
Die beiden kompakten Sterne umkreisen sich so eng, dass sie ein gemeinsames Schicksal teilen: eine gewaltige Explosion, die das gesamte System zerstören wird. Mit einer gemeinsamen Masse von 1,56 Sonnenmassen überschreiten sie die kritische Grenze, ab der Weiße Zwerge instabil werden und als Supernova explodieren können.

Der leitende Wissenschaftler James Munday zeigte sich begeistert:

„Seit Jahren wird ein solches System in der Nähe erwartet. Als ich sah, wie kompakt und massereich dieses Objekt ist, wusste ich sofort, dass wir etwas Besonderes gefunden hatten.“

Die beiden Sterne sind gerade einmal 1/60 der Entfernung zwischen Erde und Sonne voneinander entfernt – eine astronomisch enge Nachbarschaft.

Typ-1a-Supernova

Typ-1a-Supernovae spielen eine zentrale Rolle in der Astrophysik. Als sogenannte „Standardkerzen“ dienen sie zur Bestimmung kosmischer Entfernungen. Bislang galten Doppelsterne aus Weißen Zwergen zwar als theoretische Auslöser solcher Explosionen – ein konkreter Beleg dafür fehlte jedoch.

Mit der Entdeckung dieses Systems ist nun klar: Solche Szenarien existieren tatsächlich.

Gefahr für die Erde?

Trotz ihrer Nähe zur Erde besteht keine Gefahr. Die Explosion wird sich erst in rund 23 Milliarden Jahren ereignen – lange nach dem heutigen Zeitalter. Derzeit benötigen die Sterne noch über 14 Stunden einander zu umkreise. Doch durch Gravitationswellen verlieren sie langsam Energie, was sie über Milliarden Jahre immer näher zusammenrücken lässt.

Kurz vor der Explosion werden sie einander in nur 30 bis 40 Sekunden umkreisen.

Ingrid Pelisoli, Mitautorin der Studie, betont die Bedeutung der Entdeckung:

„Dass wir ein solches System so nah gefunden haben, legt nahe, dass es mehr davon gibt als bisher gedacht. Es könnte der Schlüssel zum besseren Verständnis der Ursprünge von Typ-1a-Supernovae sein.“

Wenn es schließlich zur Explosion kommt, dürfte das Ereignis spektakulär ausfallen. Astronomen rechnen mit einer sogenannten vierfachen Detonation:

Zuerst explodiert die Oberfläche des massereicheren Sterns, dann sein Kern, anschließend trifft das ausgestoßene Material den Partnerstern – was zwei weitere Explosionen auslöst.

Die Energie dabei übertrifft die stärkste Atombombe um ein Vielfaches – eine kosmische Zerstörung in nie gekannter Intensität.

Und der Himmel? Der wird in Milliarden Jahren kurzzeitig in einem Licht erstrahlen, das selbst den Vollmond blass erscheinen lässt – ein letztes Aufleuchten zweier gescheiterter Sonnen.

Die Studie aus Warwickshire erschien unter dem Titel A super-Chandrasekhar mass type Ia supernova progenitor at 49 pc set to detonate in 23 Gyr in der renommierten Fachzeitschrift Nature Astronomy.

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