Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Arbeitsgruppe der Universität Tartu

Mammut-Projekt für 20 Jahre: Estland übersetzt die Bibel neu

An der altehrwürdigen Universität Tartu hat eine Arbeitsgruppe mit der Übersetzung der Bibel ins Estnische begonnen. Ziel ist es, die neue Version innerhalb von zehn Jahren fertigzustellen.

Bibel Estland
In Estland wird in den kommenden Jahren mit viel Aufwand die Bibel übersetzt. (Bild: ETV)

„International gibt es die Tradition, die Bibel in jeder Generation neu zu übersetzen, da sich Sprache und Wortschatz stetig verändern. Die Bibel gehört seit Jahrhunderten zu den zentralen Texten der estnischen Sprache“, sagt Jaan Bärenson, Generalsekretär der Estnischen Bibelgesellschaft.

Die letzte Übersetzung der Bibel wurde nach der Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit 1997 veröffentlicht. Laut Bärenson stellte diese Version einen Kompromiss zwischen alten und neuen Übersetzungen dar.

Davor erschien eine Bibelübersetzung der estnischen Diaspora im Jahr 1968. Die Vorbereitungen für die neue Übersetzung begannen bereits vor fast einem Jahrzehnt. Ein sprach- und religionswissenschaftliches Mammut-Projekt.

2015 wurde ein Komitee gegründet, bestehend aus der Estnischen Bibelgesellschaft, theologischen Bildungsinstitutionen und dem Estnischen Kirchenrat (EKN). Ziel war es, eine neue Übersetzung zu erarbeiten und deren Grundlagen festzulegen.

2017 erschien ein erster Testdruck mit den Büchern Genesis und Exodus. Der Plan war, die Übersetzung fortzusetzen, doch es mangelte an finanziellen Mitteln.

„Es geht nicht einfach darum, einen Zeitungstext zu übersetzen“

Erst in diesem Jahr stellte das estnische Innenministerium gemeinsam mit dem Kirchenrat die nötigen Gelder bereit. Nun kann die Arbeitsgruppe der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften an der Universität Tartu mit der eigentlichen Übersetzung beginnen.

Die Bibelübersetzung ist ohnehin ein aufwendiges Projekt, da sie die Expertise verschiedener Fachleute erfordert. „Es geht nicht einfach darum, einen Zeitungstext zu übersetzen. Die Bibel hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ist in einem sehr spezifischen kulturellen Kontext entstanden“, erklärt Bärenson.

Das Alte Testament wurde auf Hebräisch verfasst, einige Passagen auf Aramäisch, das Neue Testament auf Griechisch. Die Sprache ist eng mit ihrer jeweiligen Epoche verknüpft.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Sprachen zu beherrschen, sondern auch das historische und kulturelle Umfeld zu verstehen. Neben Sprachwissenschaftlern sind Theologen, Kirchenhistoriker, Kulturhistoriker, Archäologen und Kunsthistoriker an der Übersetzung beteiligt.

Sobald die neue Version fertiggestellt ist, soll sie online unter piibel.net veröffentlicht werden. Später wird es eine gedruckte Ausgabe sowie digitale Versionen geben, möglicherweise auch eine mobile App. Die Druckfassung soll laut ERR.ee in etwa zehn Jahren erscheinen.

Unser ESTLAND-QUIZ zum Thema Geographie

Sie wollen diesen Beitrag teilen?

Facebooktwitterredditpinterestmail
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest

0 Comments
älteste
neuste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen