Was Stadtplaner jetzt beachten sollten
Uni Helsinki: Schwimmkäfer als Indikatoren urbaner Artenvielfalt
In städtischen Teichen spielen Schwimmkäfer eine entscheidende Rolle für das ökologische Gleichgewicht – und sind gleichzeitig ein Gradmesser für die biologische Vielfalt. Doch Pflege- und Bauarbeiten an Gewässern bringen ihre Lebensräume zunehmend in Gefahr.
Eine Langzeitstudie der Universität Helsinki liefert nun erstmals einen umfassenden Überblick über die Artenvielfalt von Schwimmkäfern im städtischen Raum. Über sechs Jahre hinweg untersuchten Forscher 20 Teiche in der Region Helsinki und fanden dabei 69 verschiedene Arten – rund 70 Prozent der für die Region bekannten Käferarten. Auffällig: Zwar ist die Artenvielfalt insgesamt gestiegen, doch die Gesamtzahl der Tiere hat abgenommen.
Vom Verlust gemeinsamer Arten
Besonders Teiche, die isoliert liegen und nicht mit anderen Gewässern verbunden sind, verlieren häufig ihre typischen Arten. Die entstehende „Einzigartigkeit“ solcher Teiche sei kein positives Zeichen, warnen die Wissenschaftler – sie zeuge eher vom Verlust gemeinsamer Arten.
„Urbane Lebensräume sind anfälliger für Störungen und regenerieren sich langsamer als natürliche“, erklärt Wenfei Liao, Postdoktorand an der Universität Helsinki und Hauptautor der Studie, die im Fachmagazin Freshwater Biology erschien.
Er appelliert an Stadtplaner und Bauverantwortliche, bei Eingriffen in Teichlandschaften mehr Rücksicht auf ökologische Zusammenhänge zu nehmen.
Was Städte jetzt tun können – Empfehlungen aus der Forschung:
- Teiche besser vernetzen: Die Verbindung zwischen Gewässern erleichtert die Ausbreitung von Arten und verringert die Folgen von Isolation.
- Wasserpflanzen erhalten: Ufervegetation wie Krebsscheren oder Teichrosen bietet Unterschlupf und Nahrung. Ihr Erhalt ist essenziell.
- Fischbesstand begrenzen: Zu viele Fische können Schwimmkäferpopulationen stark dezimieren.
- Baggerungen vermeiden: Eingriffe in die Uferzonen sollten minimiert, Zugänge über angelegte Wege gelenkt werden.
- Naturnahe Gestaltung fördern: Begrünte Pufferzonen schützen vor Schadstoffeinträgen, der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sollte reduziert werden.
- Gärten naturnah gestalten: Wer einen eigenen Teich anlegt, sollte heimische Pflanzen verwenden und auf invasive Gartenarten verzichten.
Auch Bürgerinnen und Bürger können aktiv werden: Müllsammelaktionen am Teich und der Verzicht auf chemische Mittel im Garten helfen der Stadtnatur – und damit auch den Schwimmkäfern, so die Empfehlung aus der Studie.